Das Karussell bewegt sich

Der Dezember ist und bleibt ein turbulenter Monat in allen Bereichen des Lebens. Menschen rennen wie vom Tod verfolgt durch die Gegend, kaufen unnütze Geschenke, steigern Ihren Konsum an Glühwein um 300% und tun eventuell dumme Dinge auf Weihnachtsfeiern.

Der NBA-Dezember steht dem in Nichts nach. Unnütze “Geschenke” wollen durch andere getauscht werden und eine “Ron Artest-Hennessy-Halbzeit” wird – zumindest bei einigen Trainern – mit Sicherheit auch beliebter, schaut man sich mal an, wie viele Teams derzeit schlechter da stehen als vor der Saison erwartet.

Dass der 12. Monat eine derartige Brisanz besitzt ist jedoch kein Zufall. Die Saison ist einen Monat alt, ein Viertel der Spiele sind absolviert und Teams können ab Morgen, bzw. kommender Woche die Spieler zum Trade anbieten, die erst im Sommer für viel (oder wenig) Geld unter Vertrag genommen wurden – ähnlich wie die ungewollten Weihnachtsgeschenke die nach einer Höflichkeitsfrist bei ebay reinstellt werden um Sie in Bares zu verwandeln.

Schonungslos wird also aufgedeckt, welche Investition sich gelohnt hat (Trevor Ariza) und welche ein größerer Fehlgriff war als der “Jay Cutler-Kyle Orton” Trade.

Die Situation um die New York Knicks hat sich in dieser Angelegenheit erfreulicherweise gebessert. Vor einigen Wochen waren wir alle kollektiv der Meinung, dass Curry & Jeffries auf der Attraktivitätsskala eine -4 erreichen, Darko Milicic äquivalent an Talent eingebüßt was Quentin Richardson an Gewicht verloren hat und der Kader allgemein zu talentfrei ist, um LeBron James ins gelobte Land zu locken.

Mittlerweile schwimmt das Team auf einer Sieges -und Sympathiewelle und Jared Jeffries und Eddy Curry sind fest in der Rotation des Head Coach. Zeit für Donnie Walsh, um das Telefon in die Hand zu nehmen und den Markt zu sichten.
Gestern Abend trafen die Knicks eine personelle Entscheidung die in den Augen vieler Experten der Beginn eines turbulenten Winters wird. Die Knicks nahmen Jonathan Bender unter Vertrag, ein 28-jähriger Rentner, der vor drei Jahren seine NBA Karriere aufgrund chronischer Knieprobleme beendete. Nun startet er ein Comeback bei dem Team, dessen jetziger Präsident vor 10 Jahren der Entscheidungsträger war, Jonathan Bender nach Indiana zu holen.
Bender hat laut Medienberichten bereits im Sommer mit den Knicks trainiert, wollte jedoch komplett fit sein, um ein Comeback zu starten.

Für die Knicks bedeutet dies zero Risiko. Erstens erhält Bender einen nicht garantierten Vertrag und zweitens könnte der 7-foot Forward durchaus ein starke Ergänzung wrden. Er ist 28, hat jedoch in den letzten drei Jahren nicht gespielt – was Ihn körperlich zu einem 25-jährigen macht.
Das Experiment ist clever und zudem ein Schachzug für kommende Veränderungen, die von den Medien in New York bereits am Horizont gesichtet werden.

Nate Robinson

Spielt in D’Antoni’s Plänen derzeit keine Rolle. Wie auch Darko Milicic ist N8 in “Marbury Land” – denn wenn D’Antoni erst einmal zu Ungunsten eines Spielers entschieden hat ändert sich das nicht so schnell. Und wie lange hat er Geduld mit Robinson gehabt. Derzeit ist es unwahrscheinlich, dass sich an seiner Situation etwas ändert – was es wiederum interessant für andere Teams macht.

Nate einen frischen Start bei einem anderen Team zu ermöglichen ist vielleicht genau das, was der kleine Guard benötigt. Talent hat er zweifelsohne.

Tracy McGrady

Ähnlich wie Nate ist T-Mac derzeit unbeliebter bei seinem Trainer als Tiger Woods bei seiner Ehefrau. McGrady’s Rückkehr wird irgendwann in den kommenden Wochen erwartet. Nur hat man das Gefühl, dass Coach Rick Adelman das gar nicht so sehr will.
Adelman fürchtet um die Team Chemie und Hierarchie, was Tracy zu einem der Top Trade Objektive verwandelt. Sein $23 Mio. Scheck läuft zum Ende der Saison aus und man kann nur erahnen, wie gut ein T-Mac im D’Antoni System wäre – nur so viel, der Trade in meiner 2k10 Association ist nur eine Frage der Zeit.

Eine besondere Brisanz erhält dieses Gerücht auch, da Houston im Sommer 2010 gar kein großer Free Agent Player sein wird. Die wegfallenden $23 Mio werden zum größten Teil von Vertragsverlängerungen (Scola, Hayes, Landry, Lowry) und der Yao Option. Die Rockets sind ein Player für 2011 – und somit ein möglicher Arbeitgeber für Eddy Curry. Schnürt man Ihn mit dem Cuttino Mobley Vertrag (wir erinnern uns dass 80% dieses $9.5 Mio Deals von der Versicherung bezahlt wird), dann gleichen sich die Ausgaben ungefähr aus. Plus, Curry wäre eine Lowpost Präsenz die den Rockets im Kampf um die Playoffs fehlt.

Jerryd Bayless

Der Combo Guard der Trailblazers ist in seinem zweiten Jahr und momentan unzufrieden mit seiner Rolle im Team. Bayless sah im Spiel gegen die Knicks sehr explosiv aus, war in der Lage am Mann vorbeizugehen, besitzt ein gutes Ball Handling und kann Point Guard spielen. Aus Nate Robinson also Jerryd Bayless zu machen wäre ein guter Trade. Bayless ist günstiger, in seinem Rookie Vertrag und definitiv eine Investition in die Zukunft.

Zum Abschluss dann noch eine Sicht in die Ferne. Wer derzeit die NBA im Allgemeinen verfolgt, hat vielleicht auch die neuerliche Reinkarnation der Memphis Grizzlies bemerkt. Das Team hat in einer Woche Mannschaften wie Cleveland und gestern Miami besiegt – Grund ist nicht nur mein Liebling O.J. Mayo, sondern auch Rudy Gay, der im letzten Jahr seines Vertrags steht und ein Restricted Free Agent sein wird.
Als ein zweiter Mann neben einem LeBron James könnte Gay für die Knicks nicht nur günstiger sondern auch wertvoller sein. Gay ist ein Slasher und offensiv sehr talentiert. Man sollte ein Auge auf Ihn halten.

Change is coming. Die Aktien der Knicks steigen gerade wieder und Teams evaluieren Investition und Risiko im Hinblick auf 2010. Eines ist klar, viele Clubs werden nicht warten und bereits in dieser Saison Änderungen vornehmen – New York ist da immer ein geeigneter Partner.

- Robert

Dezember 14th, 2009

2 Responses to “Das Karussell bewegt sich”

  1. razah sagt:

    Ich kann mich noch an die Rookiezeiten von Bender erinnern, jeden dem man gefragt hat, hat ihm so massig Talent bescheinigt, schade das er es nie richtig ausschöpfen konnte. Das wäre ein Traum wenn er doch jetzt noch was reissen könnte. Die Berichte von den ersten Trainingseinheiten hören sich jedenfalls sehr positiv an.



  2. Arndt sagt:

    Hey Robert, erstmal großes großes Lob hier für deinen Blog im allgemeinen und im speziellen für deinen Schreibstil. Wirklich sehr sehr geil… und das sage ich als NICHT Knickerbocker, der sich als genereller NBA Fan aber natürlich für alles in diesem Kosmos interessiert :-)

    @Bender: Ich musste erstmal meine Augen reiben als ich das vor ein paar Tagen zum ersten mal gelesen habe. Kann mich auch noch gut daran erinnern mit wieviel Talent-Segnung er damals in die Liga kam… tat mir leid wie alles gekommen ist. Ich hoffe es wird ne gute Sache.



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